Fraktion vor Ort bei spannenden Wirtschaftsbetrieben in Rheinland-Pfalz: Bei ihrer auswärtigen Fraktionssitzung am 24.11.2010 gingen die SPD-Landtagsabgeordneten auf Tuchfühlung mit dem Arbeitsalltag der Menschen.
Und der ist mitunter laut, dreckig, heiß, staubig und nicht ungefährlich – zum Beispiel im Trierer Stahlwerk (TSW), in dem sich einer von vier SPD-Gruppen einen Eindruck vor Ort verschaffte. Dabei drückten die Abgeordneten ihre Freude darüber aus, dass die TSW nach einem schweren Brand im Jahre 2001 und der darauf folgenden Insolvenz wieder auf die Beine gekommen und nun zukunftsfähig ausgerichtet ist: Heute arbeiten hier 270 Mitarbeiter plus Logistik. Die Hauptaktionärsfamilie Pampus hat strategisch investiert und versorgt ihre Unternehmensgruppe WDI (Westfälische Draht Industrie) von hier aus mit hochwertigen Zwischenprodukten.
Mit Blick auf den gigantischen Strombedarf des Stahlwerks, der dem einer Kleinstadt entspricht, erkundigte sich der Fraktionsvorsitzende Jochen Hartloff nach der Haltung des Unternehmens zur Energiebesteuerung, wo Ausnahmen für energieintensive Betriebe wegfallen. Das Unternehmen selbst sei davon nicht direkt betroffen, so Dr. Michael Merz, Leiter des technischen Bereichs. Er warnt jedoch vor der allzu einfachen Logik, man könne bei energieintensive Unternehmen durch mehr Kostendruck auch mehr Einsparungen erreichen: Die Energiekosten machten schon jetzt 35 Prozent der Gesamtkosten aus; insofern sei es seit eh und je Hauptteil des Überlebenskampfes in der Branche, den Energiebedarf zu minimieren – allmählich seien die Grenzen des physikalisch möglichen erreicht. (Auch für Effizienzsteigerungen durch Wärmeauskopplung gebe es wenig Potentiale, weil mit dem Aus eines benachbarten Michelinwerkes der einzige Abnehmer für Wärme weggefallen sei. Das Stahlwerk sei zu klein, um extra hierfür eine Fernwärme-Infrastruktur zu schaffen.)
Die örtliche Landtagsabgeordnete Ingeborg Sahler-Fesel betonte, das Unternehmen habe im Zuge der Modernisierung weit reichende Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt und sich der öffentlichen Diskussion um Lärm- und Schadstoff-Emissionen gestellt. Zum Teil seien Verschmutzungen in der Region zu Unrecht den Trierer Stahlwerken angelastet worden – aber auch hier habe man Transparenz geschaffen.
Dem TSW-Betriebsratsvorsitzenden Rudolf Heinz lag es mit Blick auf das Thema Rente ab 67 am Herzen, ein Gefühl vom echten Leben in einem Stahlwerk zu vermitteln. Zwischen Schmelzofen und Walzwerk bleibt für ihn die Frage ungeklärt: Wer soll hier bis weit jenseits der sechzig arbeiten?
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