Länger gemeinsam lernen statt aussortieren: Die Schulstrukturreform

Chancengleichheit kann bildungspolitisch auf vielen Wegen erreicht werden. Dazu gehören neue Schulformen, neue Unterrichtsinhalte, die frühkindliche Bildung und die Beitragsfreiheit im Kindergarten. Dazu gehört aber letztlich auch eine moderne Schulstruktur. Die bildungspolitische Debatte in Rheinland-Pfalz war in den vergangenen Jahren stark geprägt von der Diskussion darüber.

Realschule Plus: länger gemeinsam lernen

Die sozialdemokratische Fraktion hat sich nach eingehender interner Diskussion auf eine Schulstrukturreform geeinigt. Die Hauptschulen in Rheinland-Pfalz werden bis 2013 in größere Verbünde überführt. Das kann eine Integrierte Gesamtschule sein oder die neu geschaffene Schulart Realschule plus in entweder kooperativer oder integrativer Form.

Die Hauptschulen hatten in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an Akzeptanz verloren. Waren 1980/81 noch 51,1 % der Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse Hauptschülerinnen oder Hauptschüler, so waren es 2006/2007 gerade einmal 17,9 Prozent. Zusätzlich zu diesem veränderten Bildungswahlverhalten der Eltern stellt der demografische Wandel, also der absehbare Rückgang der Schülerzahlen die Bildungspolitik vor neue Herausforderungen.

Kern der neuen Realschule plus ist ein längeres gemeinsames Lernen. In der Realschule plus lernen alle Kinder unabhängig von ihrer jeweiligen Grundschulempfehlung zusammen. In der kooperativen Realschule plus werden die Schülerinnen und Schüler danach abschlussbezogen unterrichtet. Dabei soll am Ende eines jeden Schuljahres überprüft werden, ob der Wechsel vom Hauptschul- in den Realschulbildungsgang möglich ist.

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Schulart ist eine bessere Berufsorientierung. Das geschieht z.B. mit dem Praxistag oder auch dem Projekt „Praxis in der Schule“. Darüber hinaus wird der Wahlpflichtbereich ausgebaut und mit einem Orientierungsangebot in die Klassenstufe 6 vorgezogen. Der Wahlpflichtbereich gliedert sich in die Fächer Technik und Naturwissenschaft, Hauswirtschaft und Sozialwesen sowie Wirtschaft und Verwaltung. Alternativ kann ab der sechsten Klasse Französisch als zweite Fremdsprache gewählt werden.

Projekt „Keiner ohne Abschluss“

Das Projekt „Keiner ohne Abschluss“ soll einen Beitrag leisten zur Reduzierung der Zahl von Schülerinnen und Schülern, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Das Projekt ist an einigen Schulen gestartet und wird ausgeweitet. Zugleich soll an einigen dafür geeigneten Realschule plus– Standorten eine Fachoberschule errichtet werden, an der die Fachhochschulreife erreicht werden kann. Mit dieser zusätzlichen Aufstiegsmöglichkeit gewinnt die Realschule plus an zusätzlicher Attraktivität. Zugleich reagieren wir auf die niedrige Zahl an Schulabsolventinnen und Schulabsolventen mit Fachhochschulreife.

Integrierte Gesamtschulen

Neben der Schaffung der neuen Schulart Realschule plus haben wir zudem dafür Sorge getragen, dass es künftig leichter wird, eine Integrierte Gesamtschule zu errichten. Die bisherige Voraussetzung für die Errichtung einer solchen Schulart, nach der Angebote des dreigliedrigen Schulsystems in erreichbarer Nähe vorhanden sein müssen, soll entfallen. Die SPD-Fraktion steht zur Qualität der Gesamtschulen und unterstützt daher die Landesregierung in ihrem Bestreben, nur solche Integrierte Gesamtschulen zuzulassen, deren Anträge auf einer nachhaltigen Basis stehen.

Die Reform wurde mit einem Höchstmaß an Beteiligung durchgeführt. Abgeordnete und die Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung waren im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens in Rheinland-Pfalz unterwegs, um in öffentlichen Veranstaltungen die vorgeschlagene Strukturreform vorzustellen und zu diskutieren. Auch die an Schule beteiligten Interessenverbände wurden in Einzelgesprächen mit dem Arbeitskreis Bildung und Jugend erneut angehört. Sieht man von Debatten um einzelne Details ab, ist festzustellen, dass die vorgeschlagene Schulstrukturreform von einer breiten Mehrheit in ihrem Grundsatz unterstützt wurde und wird.

 

Politikfeld:

Bildung

Ansprechpartner

Bettina Brück

  • Wahlkreis 23, Bernkastel-Kues / Morbach
  • Vorsitzende des AK Bildung
  • Bildungspolitische Sprecherin
  • Kinder- und Jugendpolitische Sprecherin
  • Stellv. Vorsitzende des Ausschusses für Bildung

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Johannes Klomann

Referent für

  • Bildung
  • Integration, Familie, Kinder und Jugend

Telefon: 06131/ 208- 3211
Telefax: 06131/ 208- 4208
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